Trump hat es geschafft. Er hat Selenskyj vorgeführt. Und zwar auf der ganz großen Bühne. Aber was hat er damit erreicht? Er mag nun einen Vorwand haben, der Ukraine die Unterstützung zu entziehen. Gleichzeitig hat er sich selbst weiter beschädigt. Auch bei seinen bisherigen Anhängern.
Die Zustimmung zum US-Präsidenten bröckelt. Je nachdem welcher Umfrage man glauben mag, ging sie bis zu 13 Prozent nach unten. Die Art und Weise, wie mit dem ukrainischen Präsidenten umgegangen wurde, könnte zu einer weiteren Erosion führen.
Denn die Gefahr einer starken Attacke ist immer, dass sie zu einem bestimmten Anteil einen selbst trifft. Im Business. Im Privatleben. Und erst recht in der Weltpolitik.
Selenskyj ist deshalb kein Gewinner. Es gibt auch Lose-Lose-Situationen. Das hier ist eine davon. Er hat aber wenigstens seine Würde bewahrt und vermutlich sowohl sein eigenes Volk wieder stärker hinter sich gebracht, wie auch uns Europäer.
Er hat relativ souverän reagiert und ist sich treu geblieben. Hätte er andere Optionen gehabt? Nur die, nach- und damit gleichzeitig aufzugeben. Ein Satz von ihm wird von diesem Abend in Erinnerung bleiben: “you are increasing the volume of your voice but not the logic of your argument.” Das nenne ich die „Schiedsrichtertechnik“: Man benennt das kommunikative Foul, das die andere Seite gerade begeht und macht es damit für alle offensichtlich.
Fazit: Man kann aus einem Konflikt, erst recht so einer kommunikativen Falle, nicht immer als strahlender Sieger hervorgehen. Aber man kann immer erhobenen Hauptes vom Feld gehen. Und sollte niemals im Affekt Zugeständnisse machen! Insofern hat Selenskyj alles herausgeholt, was möglich war.
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