Gehörst Du auch zu den Menschen, die zwar ganz problemlos in kleinem Kreis oder auch in einem Meeting souverän und überzeugend reden können, aber wirst von einer Bühnen eingeschüchtert? Kein Wunder, auf einer Bühne zu stehen ist noch mal eine ganz andere Erfahrung – und eine völlig neue Situation! Bühnenpräsenz ist dabei das A und O um in diesem Setting überzeugend zu sein. Aber wie erreichst Du eine hohe Bühnenpräsenz?

Ich stehe nicht nur als Rhetoriktrainer & Speaker, sondern vor allem auch in meinem Hobby/Nebenberuf als Kabarettist seit über acht Jahren auf Bühnen. Und habe genug Fehler gemacht, um heute zu wissen, worauf es ankommt. Im Folgenden einige Basics. Ausgeklammert habe ich dabei das Thema Lampenfieber, weil es dazu einen eigenen Artikel gibt.

Sprich immer ZU den Menschen

Klar sprichst Du auf der Bühne VOR vielen Menschen. Aber entscheidender ist, dass Du ZU den Menschen sprichst. Was bedeutet das?

  • Wende Dich auch den Leuten zu. Nicht einer eventuellen Präsentation auf Leinwand hinter Dir. Auch bei Podiumsdiskussionen oder Interviews sprichst Du nicht nur zu den anderen Personen auf der Bühne. Sondern immer auch zum Publikum!
  • Sprich das Publikum auch wortwörtlich an. „Sie können sich vielleicht noch gar nicht vorstellen…“ statt „es ist schwer vorstellbar, dass…“ Mach das auch dann, wenn das Licht im Saal dunkel ist und Du niemanden sehen kannst. Sie sind trotzdem da. Versprochen! Bühnenpräsenz bedeutet eben auch präsent sein FÜR die Anwesenden und deren Präsenz wahrnehmen.

Ab wo und wann Du präsent sein musst

Deine Bühnenpräsenz sollte frühzeitig abgerufen werden. Denn ich erlebe in Trainings erstaunlich häufig Folgendes:

Redner:in betritt bedächtigen Schrittes, mit angespannter Körperhaltung und ebensolcher Mimik die Bühne. Geht auf Position (Mikro, Rednerpult, etc.) und legt in dem Augenblick anscheinend mental den Schalter um: Lächeln an, Körperhaltung richtet sich blitzartig auf und dann kommt die Begrüßung.

Das wirkt nicht authentisch. Du musst schon lange vor der Bühne präsent sein, in Deinem Bühnenmodus. Ab dem Augenblick, in dem Dich die Menschen sehen können. Egal, wie weit es von dort aus noch zur Bühne ist. Und andersherum: Auch Du solltest Dein Publikum nicht so lange ignorieren bis Du mit dem Reden anfängst Ganz im Gegenteil. Nimm rechtzeitig Blickkontakt auf. Bei kleinerem Publikum kannst Du jede Person direkt anschauen. Bei vielen Menschen ist das natürlich unmöglich. Aber: Du kannst allen das Gefühl geben, dass Du sie siehst. Indem Du Deinen Blick in Form eines Ms oder eines Ws durch den Saal schweifen lässt, bevor Du zu sprechen beginnst.

Hier geht der Blick in W-Form durch den Saal.

Gestikuliere spiegelverkehrt

Eine ganz simple Sache, an die viele nicht denken: Das Publikum ist Dir frontal gegenüber. Deshalb ist deren links Dein rechts und umgekehrt. Auch Dinge, die man typischerweise in Schreibrichtung von links nach rechts mit Gesten anzeigt, solltest du spiegelverkehrt anzeigen. Zum Beispiel „heute – gestern – morgen. Dein Publikum wird es Dir danken, Dich nonverbal besser verstehen – und das erhöht auch wieder Deine Bühnenpräsenz.

Mach jede Bühne zu Deiner Bühne

Oder: Own the stage wie es im Englischen heißt. Auch wenn Du Gastredner:in bist: Solange Du auf der Bühne redest, ist es Deine Bühne. Bist Du der Gastgeber. Das sollte Deine Haltung sein, die Du auch ausstrahlst. Dazu gehört:

  • Leg vorher genau fest, wie Du die Bühne haben möchtest, sofern das umsetzbar ist. Weiches Licht? Hell, weniger Hell? Headset oder Handmikro? Irgendwelche Deko? Brauchst Du ein Flipchart, eine Leinwand, etc.
  • Auch während Deines Vortrags bist Du auf Deiner Bühne. Wenn Du das Publikum etwas fragst oder per Handzeichen abstimmen lässt, bitte die Technik das Saallicht anzuschalten, damit Du die Meldungen auch siehst.
  • Und nutze die ganze Bühne. Steh nicht steif an einer Stelle und sei damit im schlimmsten Fall auch nur für einen Teil des Publikums präsent. Tigere nicht auf und ab, aber bespiele immer mal wieder einen anderen Teil der Bühne.

Fazit

Bühnenpräsenz musst du Dir ein Stück weit erarbeiten. Aber es lohnt sich! Deine Wirkung auf die Zuhörenden wird deutlich größer sein und damit kannst Du Deine Botschaft überzeugender vermitteln.

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Mein Name ist Oliver Walter und ich befasse mich seit gut 30 Jahren mit Rhetorik

Ich habe nicht nur ein ganzes Bücherregal mit Fachliteratur, sondern auch nahezu jeden Tipp einmal persönlich ausprobiert. (Spoiler: Sich die Leute nackt vorzustellen hilft nicht wirklich gegen Lampenfieber!)

Ich bringe als Rhetoriktrainer nicht nur mein Fachwissen ein, sondern auch die Erfahrung von deutlich mehr als 1000 öffentlichen Reden, die ich in ganz verschiedenen Kontexten und vor sehr unterschiedlichem Publikum gehalten habe.

Lassen Sie uns gerne in einen unverbindlichen Erstgespräch herausfinden, wie genau ich Ihnen mit einem Rhetoriktraining oder Coaching weiterhelfen kann!

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