Eigenlob stinkt nicht wirklich. Sondern ist enorm wichtig. Nicht nur für Dich selbst, also im wortwörtlichen Sinne von sich selbst loben, dass Du Dir selbst auch mal sagst: Das hab ich echt gut gemacht. Das tut nämlich hin und wieder gut. Viele Menschen tadeln sich selbst, und sagen sich im inneren Dialog so etwas wie „och nö, jetzt hast Du echt nachts um 2 noch das kalte Gulasch aus dem Topf gegessen, Oliver. So wird das nie was mit dem Abnehmen!“ Ein rein fiktives Beispiel natürlich…

Genau so wie Selbstkritik negativ wirkt, wirkt Eigenlob positiv. Und hilft dabei, ein realistischeres Selbstbild zu entwickeln, wenn Du nicht nur mit dir schimpfst, sondern Dich auch mal lobst. Weil es gehört einfach beides dazu. Niemand baut ständig Mist und hat nur Schwächen. Und niemand ist perfekt und macht alles richtig. Und die meisten Menschen neigen eher dazu, mit sich selbst zu kritisch zu sein. Viel kritischer als man es mit anderen jemals wäre.

Aber hier im Rhetorikblog interessiert uns natürlich die Außenwirkung: Also die eigenen Stärken, Vorzüge und Leistungen anderen gegenüber hervorzuheben. Sei es

  • als Argumente für eine Gehaltserhöhung.
  • Oder um einen Auftrag zu bekommen.
  • Und selbst beim Dating ist Selbstmarketing unumgänglich.

Werbung in eigener Sache ist wichtig.

Aus mehreren Gründen. Zum einen, weil Du nicht davon ausgehen darfst, dass Deine Leistungen und Verdienste schon gesehen werden. Die werden wahrgenommen, ja. Aber

  • werden sie auch abgespeichert?
  • Mit Dir verknüpft?
  • Ist den Leuten ein paar Wochen später noch klar, wer das Projekt damals gerettet hat?

Kann sein. Muss aber nicht automatisch so sein. Da darfst Du durchaus etwas nachhelfen. Eigenlob ist völlig legitim. Zum anderen leben wir in einer lauten Zeit. So viel Selbstmarketing. Online, Offline. Überall. Da kannst Du natürlich sagen: Da mach ich nicht mit. Und ich würde Dich dafür bewundern. Einerseits.

Andererseits bringt es Dich sehr sicher nicht weiter. Aufmerksamkeit ist heutzutage schon fast eine Währung, und man muss eben auch mal von Zeit zu Zeit klar machen, warum man selbst ein bisschen davon verdient. Das muss ja nicht so penetrant sein, wie manche das machen. Aber ganz ohne geht’s eben auch nicht. Deine Stärken und Vorzüge werden nicht automatisch so wahrgenommen, wie sie es verdient hätten. Und deshalb musst Du ein Stück weit nachhelfen.

Wie Eigenlob elegant gelingt

Aber wie machst Du das am besten, dass Du Deine Stärken und Leistungen hervorhebst, aber Du dabei immer noch sympathisch rüberkommst? Genau das ist der Spagat, der zu bewältigen ist.

1. Wenn Du Dich lobst, mach es richtig.

Viele suchen den Spagat zwischen Bescheidenheit und Eigenlob und bleiben dabei zu bescheiden. „Ja, also, ich glaub, ich kann das schon ganz gut. Also jetzt auch nicht perfekt, aber schon, naja, soweit okay…“ Ah, das wirkt jetzt nicht sehr überzeugend, oder? Da hat jemand Angst vor der eigenen Courage. Wenn Du Dich lobst, bleib dabei realistisch. Aber wenn Du eben diejenige Person bist, die in der gesamten Firma am besten mit Excel umgehen kann, dann relativier es nicht zu sehr runter. Du musst ja nicht sagen, dass Du die oder der beste bist. Aber dass Dir keiner was in Sachen Excel vormachen kann, das kannst Du schon mal fallen lassen. Und damit sind wir auch schon bei

2. Sprich immer über konkrete Dinge.

Also sag nicht, Du bist einfach großartig. Mega kompetent. Und dabei noch so sympathisch. Sondern lobe zum Beispiel Deine Fähigkeiten in Excel. Oder weise auf Deinen Beitrag zum letzten großen Projekt hin. Oder wer den wichtigen Kunden an Land gezogen hat. Das sind konkrete Leistungen und Fähigkeiten. Das ist dann auch für den Menschen, dem Du das sagst, direkt nachvollziehbar, bzw. überprüfbar. Und das macht es deutlich seriöser als pauschal zu sagen, Du seist einfach genial im Verkauf.

3. Lobe Dich selbst, aber lobe nicht nur Dich selbst.

Es gibt eine neue Studie, die im „Journal of Personality and Social Psychology” veröffentlicht wurde. Und die besagt, dass Du mindestens genau so kompetent wirkst, aber viel sympathischer, wenn Du nicht nur Dich lobst, sondern andere gleich mit. Also wenn Du davon sprichst, dass Kollege Meier, Kollegin Müller und Du das Projekt zum Erfolg gebracht habt. Und Dein Beitrag war dabei …

In den Studien lobten die meisten Probanden nur die eigene Leistung. Aber die, die auch die der anderen würdigten, wurden als genau so kompetent, aber eben viel netter wahrgenommen. Und sogar bei Politiker:innen lässt sich dieser Effekt nachweisen. Solche, die in ihren Reden auch die Verdienste anderer erwähnten, würden laut einer Umfrage eher gewählt werden als solche, die nur die eigenen Leistungen hervorgehoben haben. Das hat man eben anhand zweier konkreter Beispiele und deren Reden durch eine Befragung von 200 US-Wahlberechtigen herausgefunden.

Auch Menschen aus dem Management und dem HR-Bereich hat man fiktive Bewerbungen vorgelegt. Und auch da wirkten reines Eigenlob und solches, das mit dem Lob anderer kombiniert war, ähnlich kompetent.

Fazit

Viele Menschen haben die Befürchtung, sich selbst zu loben, könnte ihnen als arrogant oder selbstverliebt ausgelegt werden. Und anscheinend stimmt das auch. Zumindest legen das die eben zitierten Studien nahe. Aber zum Glück liefern diese Studien auch gleich die Lösung mit. Also hab keine Hemmung, Dich selbst zu loben, ABER lobe auch andere mit. Das hat zudem einen schönen Effekt: Denn wenn das alle so machen, dann loben wir alle uns gegenseitig viel mehr und davon profitieren dann auch wieder alle. Da kann man ein richtiges Netzwerk draus machen von Leuten, die sich selbst und untereinander loben und sich damit gemeinsam puschen. Das wäre doch eine richtig gute Sache!

Hi. Mein Name ist Oliver Walter. Ich bin Rhetoriktrainer & Coach. Hier blogge ich über mein Lieblingsthema: Rhetorik & Kommunikation. Wenn ich Dir mit meiner Fachmeinung oder meinem Knowhow weiterhelfen kann, lass es mich gerne wissen. 

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