Ich möchte Dir zu Beginn eine kleine Geschichte erzählen. Oder eigentlich drei Geschichten. Also… Genau genommen erzähle ich Dir ein und die selbe Geschichte dreimal. Mit kleinen, aber entscheidenden Unterschieden.

Variante 1: Ich war neulich laufen. Und vor mir war eine Hundehalterin mit ihrem Hund, der nicht an der Leine war und es dann unterhaltsam fand mir nachzurennen, dabei zu bellen und an mir hochzuspringen. Das hat mich schon etwas verunsichert und ich war froh als die Besitzerin ihren Hund wieder eingefangen hatte.

Variante 2: Ich war neulich laufen und bereit für ein Abenteuer in freier Natur. Als mir eine ältere Dame mit ihrem Hündchen entgegenkam, das mich freudig begrüßte und an mir hochsprang. Ganz kurz hatte ich mich erschreckt, dann haben die ältere Dame und ich über die Situation kurz gelacht.

Variante 3: Neulich wollte ich nur friedlich vor mich hinlaufen um zu entspannen und runterzukommen. Als mir plötzlich dieser wilde Köter nachstelle und mich anbellte und an mir hochsprang, dass ich fast in Panik geriet. Die völlig überforderte Halterin konnte ihre wilde Töle dann zum Glück doch noch bändigen.

Ich nehme an, jede dieser drei Varianten hat etwas anderes in Dir ausgelöst. Obwohl der Inhalt, also die zugrunde liegenden Fakten, immer identisch waren. Genau das nennt sich Framing. Laut Definition:

Framing bedeutet, dass unterschiedliche Formulierungen ein und desselben Inhalts die Reaktion des/der Empfänger:in unterschiedlich beeinflussen.

Podcastfolge 43 befasst sich mit Framing, Reframing und Priming

Das heißt, das Wort Framing, zu Deutsch „Rahmen“ ist durchaus als Metapher sehr passend. Die Wahrnehmung eines Bildes wird ganz unterschiedlich sein, je nachdem wie es eingerahmt ist. Ob es einfach nur als Leinwand in einem minimalistisch eingerichteten schicken Loft auf einer Staffelei steht. Oder ob es in einem dicken, vergoldetem Rahmen in einer Jugendstilvilla über einem Kamin hängt.

Und genau da setzt Framing, und vor allem RE-Framing als Schlagfertigkeitstechnik an. Re-Framing bedeutet einen neuen Rahmen entgegenzusetzen. Dem Begriff eine andere Bedeutung zu geben ODER ihn in einen anderen Kontext zu stellen.

Wenn Dich jemand einen Korinthen-Kacker nennt, sag ihm: Wenn das Finanzamt uns die Steuerprüfung schickt, dann wirst Du verdammt froh sein, dass ich so penibel bin. Zack, neuer Kontext. Und vom nervenden Controller zum Helden der Firma sind es nur wenige Minuten nachdem ein dunkler VW-Bus vom Zoll auf den Firmenparkplatz gerollt ist… Finde also einen Kontext, in dem Dein Verhalten für das Unternehmen, oder ganz allgemein Dein Umfeld von Vorteil ist.

Eine andere Variante ist das Re-Framing auf der Bedeutungsebene. Der Kontext bleibt gleich, aber ähnlich wie bei dem Beispiel mit der sozialen Gerechtigkeit versuche ich einen Begriff zu meinen Gunsten neu zu definieren.

„Wenn Sie mit hemdsärmlig meinen, dass ich nicht jedes Problem bis zum bitteren Ende theoretisiere, sondern pragmatisch anpacke, ja dann bin ich ehrlich gesagt sehr gerne hemdsärmlig unterwegs.“ oder auch umgekehrt: „Wenn Sie mit phlegmatisch meinen, dass ich Dinge erstmal durchdenke statt panisch irgendwelche Übersprungshandlungen auszuführen und wie so ein kleiner Duracelhase durch die Gegend zu rennen, dann haben Sie vollkommen recht. Dann bin ich phlegmatisch.“

Durch so ein Re-Framing, eine Umdeutung des Begriffs, ändert sich die Wahrnehmung und auch Bewertung, die ein bestimmter Begriff in uns auslöst. Diese Taktik ist viel einfacher anwendbar als jetzt lang und breit darüber zu diskutieren, was alles eindeutig beweist, dass Du nicht hemdsärmlig oder phlegmatisch bist. Wie schon in einer anderen Podcastfolge mal gesagt: Ein Grundsatz in Sachen Schlagfertigkeit lautet: Rechtfertige Dich niemals!

Priming

Ein anderer spannender Effekt, der ein kleines bisschen mit dem Framing und Re-Framing verwandt ist, ist das Priming. Priming ist ein psychologisches Phänomen.

Es gibt viele komplexe Definitionen, in denen es darum geht, dass ein Zielreiz durch einen vorhergehenden Reiz beeinflusst wird. Also anders verarbeitet wird als ohne diesen Reiz zuvor. Simples Beispiel:

Stell Dir mal so eine typische Jugendfreizeit in den Sommerferien vor. Alle sitzen nach Einbruch der Dunkelheit um das Lagerfeuer rum. Und irgendwo aus dem Wald hörst Du ein Geräusch, dass Du nicht eindeutig zuordnen kannst. Wie Du dieses Geräusch nun bewertest, hängt sehr stark davon ab, ob man sich in der Gruppe, die da um das Feuer sitzt, gerade noch Horrorgeschichten erzählt hat. Oder Witze. Oder peinliche Anekdoten von den ersten sexuellen Erfahrungen. Das Knacken von Ästen kann Dich nach einer Gruselgeschichte für Stunden am Einschlafen hindern. Im Fall der Geschichten vom ersten Mal wirst Du ein Knacken im Wald vielleicht witzig finden, weil Du Dir vorstellst, da wären auch gerade zwei Menschen „zu Gange“.

Es gibt einige Studien zu Primingeffekten, die mehr oder minder seriöse Ergebnisse brachten, in denen sich zeigte, dass Menschen langsamer gingen, wenn ihnen zuvor viel übers Altern und Alt sein erzählt wurde. Oder dass Menschen, die man auf das Thema Geld „geprimed“ hatte, egoistischer, aber auch zielstrebiger handelten als die Kontrollgruppe.

Entsprechend solltest Du günstig „geprimte“ Momente abpassen um z.B. nach einer Gehaltsverhandlung zu fragen. Also eher dann, wenn es im Radio im große Investitionen ging, die sich auszahlten. Als um Trickbetrüger, auf die man nicht reinfallen sollte.

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