Sehr schnell lassen wir uns durch einen Vorwurf, eine harte Kritik oder manchmal sogar nur einen strengen Blick dazu drängen, uns zu rechtfertigen. Doch genau das ist ein Fehler! Warum du dich nicht rechtfertigen solltest und was du stattdessen tun kannst, genau darum geht es in diesem Artikel.
Das Problem mit der Rechtfertigung
Natürlich gibt es Situationen, in denen du dich rechtfertigen musst. Prüfungen, Audits, etc. Aber in den meisten alltäglichen Situationen ist es überhaupt nicht nötig. Mehr noch: Es schadet dir. Das hat mehrere Gründe:
- Du akzeptierst damit, dass man dir einen Vorwurf machen darf. D.h. du wertest evtl. einen dummen Kommentar auch noch auf. Wer sich verteidigt, akzeptiert, dass ihm der Prozess gemacht wird.
- Wenn du versuchst, Vorwürfe zu entkräften, kannst du maximal noch ein Unentschieden erreichen, wenn du sie alle widerlegen kannst. Ansonsten denken die meisten Menschen: Irgendwas wird schon dran sein. Es könnte dir ein Makel bleiben, den du gar nicht verdient hast.
- Du begibst dich damit ohne Not in die Defensive. Anschuldigungen in die Welt zu setzen ist viel leichter als diese zu widerlegen. D.h. die Person, die dich verbal attackiert, muss viel weniger Energie aufwenden als du. Neue Vorwürfe sind schnell hinterher geschoben. Das ist nicht clever!
Was kannst du stattdessen tun?
Vor allem drei Strategien bieten sich an, die fast immer besser funktionieren als eine Rechtfertigung: Ignorieren, Gegenangriff, Gegenfrage.
Ignorieren
Je nachdem wie vehement die Attacke vorgetragen wird, musst du vielleicht gar nicht darauf reagieren. Ein Kommentar ist schnell mal so dahin gesagt. Gib dem nicht mehr Aufmerksamkeit als es verdient. Gerade wenn jemand dich treffen oder gar verletzen möchte, ist es umso besser, sich nicht darauf einzulassen. Dein Gegenüber wird sich umso mehr ärgern.
Gegenangriff
Eigentlich ein kommunikatives Foul, aber das argumentum ad hominem, wie man es nennt, kann hilfreich sein, verbale Attacken mit einer Gegenoffensive zu kontern. Natürlich nur, wenn es Kritikpunkte gibt, die du guten Gewissens vorbringen kannst. Warum nicht genau jetzt? „Du kritisierst meine Arbeit? Und dass, obwohl du selbst im aktuellen Projekt …? Kehr erst mal vor der eigenen Haustür!“ Diese Art der Retourkutsche ist etwas plump. Umso eleganter ist die
Gegenfrage
Viele Menschen äußern Kritik ohne sie zu Ende gedacht zu haben. Das lässt sich mit Nachfragen schnell entlarven. Frag immer weiter nach. So wendet sich der Rechtfertigungsdruck gegen die andere Person. Hält diese stand, auch bei sehr detaillierten Nachfragen deinerseits, dann ist die Kritik vermutlich auch berechtigt. Oft entlarvt sich aber eher der Vorwurf als unbegründet. Ein Beispiel:
Ein Kollege von mir hielt ein Training bei einem großen Konzern. Einer der Teilnehmenden war offenbar nicht sehr motiviert und beschwerte sich schon bei der Vorstellungsrunde, dass ihm das alles zu kindisch sei. „Das ist ja hier wie im Kindergarten.“ Natürlich hätte mein Kollege sich nun rechtfertigen können. Verweisen auf die Standards der modernen Erwachsenenpädagogik oder von welchem bekannten Trainervorbild er das übernommen hat.
Statt einer Rechtfertigung fragte er aber nach: „Was GENAU ist für Sie hier wie im Kindergarten?“ Der Teilnehmer konnte sein diffuses Gefühl nicht artikulieren und machte für den Rest des Tages brav alle Übungen mit.
Fazit
Rechtfertige dich niemals! Das ist wirklich ernst gemeint. Drei alternative Strategien hast du nun zum Ausprobieren. Brauchst du mehr Unterstützung, lass es mich gerne wissen. Oder buch dir gleich eine Rhetorik-Sprechstunde.
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