Der Volksmund sagt „Aller Anfang ist schwer“. Hermann Hesse dagegen, dass jedem Anfang ein Zauber innewohnt. Was stimmt denn nun? Letztlich trifft beides zu: Ein wirkungsvoller Einstieg ist nicht einfach, aber im Idealfall verzaubert er Dein Publikum bereits so, dass es Dir interessiert zuhört. Wenn das Publikum Dich aber anfangs mag, wird es Dir mehr verzeihen und vieles positiver aufnehmen als wenn Du sie gleich zu Beginn in einen Dir gegenüber skeptischen und zurückhaltenden Zustand bringst.

Bitte verzichte auf einen langweiligen Beginn von wegen „Vielen Dank, dass Sie so zahlreich erschienen sind.“ Ganz ehrlich: Keiner von denen ist zahlreich erschienen. Die sind einfach zu Deinem Vortrag gekommen. Teilweise vielleicht sogar, weil sie mussten oder weil es zu ihrem Job halt dazugehört. Danke kannst Du Dir für den Schluss aufheben, wenn überhaupt. Zu Beginn ist es entscheidend, dass Du Dich mal in Dein Publikum hineinversetzt. Wer sind die? Sprichst Du zu Deinesgleichen, was KnowHow und Hierarchie angeht? Oder zu Untergebenen? Zur Vorstandsetage? Sind die meisten in Deinem Alter oder deutlich jünger oder älter oder ganz bunt gemischt? Ist es ein Fachpublikum oder Laien, die durch Dich erstmal einen Einstieg in das Thema erhalten? Was sind die Erwartungen? Wünsche? Vorbehalte? All das beeinflusst wie Du loslegen solltest. Im Folgenden 5 Optionen, wie Du Deine Rede wirkungsvoll beginnen kannst.

Starte mit Einen Witz, einer Anekdote oder einem Zitat.

Und zwar direkt. Spar Dir das „Sehr geehrte Damen und Herren“ für danach auf. Zum Beispiel: „Mark Twain sagte mal: Wenn wir bedenken, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt. Ganz in diesem Sinne begrüße ich Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, zu unserem Psychatriekongress.“ Dabei ist aber Vorsicht geboten. Denn diese Eröffnung kann nach hinten losgehen, wenn Zitat oder Witz zu abgeschmackt und nicht wirklich zum Redeanlass passend sind. Niemand möchte das 93. Einsteinzitat hören. Oder einen Witz, der schon so einen Bart hat, dass er als Hipster durchgehen könnte. Und nichts ist peinlicher als jemand, der verzweifelt versucht witzig zu sein. Wenn Du aber über erneuerbare Energien sprichst, und hast ein Zitat von Nikolas Tesla parat, dessen Kernaussage auch noch zu Deinem Thema passt, dann ist das schon ein ziemlich guter Einstieg.

Beziehe das Publikum direkt mit ein.

das erhöht die Konzentration und die Menschen fühlen sich beteiligt und damit auch ein kleines bisschen wertgeschätzt. Zum Beispiel mit einer Frage, beziehungsweise Umfrage. „Wer von Ihnen hat eigentlich Kinder? Bitte kurzes Handzeichen.“ So, dann solltest Du aber auch für die einzelnen Möglichkeiten, was bei dieser Abstimmung rauskommen könnte, entsprechende, jeweils passende Antworten parat haben. Also falls nur wenige bis keiner die Hand hebt. Oder wenn alle die Hand heben. Oder es eben sehr gemischt ist. Dadurch erwarten die Zuhörenden einen AUF Sie abgestimmten und damit einen FÜR sie interessanteren Vortrag. Den solltest Du dann auch liefern und immer mal wieder auf das Bezug nehmen, was Du vorab abgefragt hast.

Steig ein mit einer steilen These.

Clickbait funktioniert nicht nur im Internet. Eine spektakulär klingende Schlagzeile soll Dich dazu bringen auf den Artikel zu klicken. Meist ist der dann enttäuschend, deshalb ist auch diese Methode mit Vorsicht zu genießen. Ein Beispiel für die steile These, bei der aber auch gehalten wurde, was man versprochen hatte, ist die Ansprache von Steve Jobs zur Vorstellung des allerersten IPhones. Da sagte er nämlich zu Beginn: „Das ist der Tag, auf den ich 2 ½ Jahre gewartet habe. Hin und wieder geschieht es, dass ein revolutionäres Produkt alles verändert“. Dann geht er kurz auf den MAC und den IPod ein, also auf die bisherigen großen Erfolge von Apple, und beendet seinen Einstieg in die Präsentation mit dem Satz: Heute erfindet Apple das Telefon neu.“ Das war einfach Wow! Ein absolut perfekter Einstieg. Und dass die Geschichte des IPhones dann auch noch dieses Versprechen eingelöst hat, macht die Worte im Nachhinein umso beeindruckender. So ein Einstieg erzeugt Spannung, da will das Publikum mehr wissen. Und zwar unabhängig davon, ob sie Dir glauben oder nicht. Denn auch die Skeptiker sind neugierig. Die wollen Dich dann nämlich scheitern sehen. Es ist also ein gewisser Ritt auf der Rasierklinge, aber auf jeden Fall hast Du die Aufmerksamkeit Deines Publikums.

Beginne mit einem Fakt, den die meisten Anwesenden noch nicht kennen dürften.

Gerade auf die Schnelle im Internet gelesen: Dass Achterbahnfahrten asthmatische Beschwerden verringern können, dass Jonny Depp 30.000 Dollar im Monat für Wein ausgibt, und dass Costa Rica seit 1948 keine Armee mehr hat, sondern das Geld lieber für Bildung und Gesundheit investiert. Daraus lässt sich je nach Thema ein interessanter Einstieg mit Aha-Effekt kreieren. Umso mehr Du es mit Experten zu tun hast, umso schwerer ist es natürlich diese mit Fakten wirklich zu überraschen. Und genau darum geht es ja: Einen Überraschungseffekt zu erzeugen, der den Zuhörenden gleich signalisiert: “Hey! Hier gibt’s was interessantes zu hören. Ich erzähle Euch nicht nur, was Ihr eh schon wisst”.

Stelle einen aktuellen Bezug her.

Also verknüpfe Dein vielleicht etwas abstraktes Thema mit dem aktuellen Zeitgeschehen. Ethik ist so ein Thema, was oft eher abstrakt daher kommt und bei dem vielen Leuten nicht klar ist, wie man das wirklich im Alltag brauchen kann. Aber die Triage in Zeiten einer Pandemie oder auch die Frage: Wie soll ein selbstfahrendes Auto programmiert sein, wene es im Fall der Fälle bei einem Dilemma entscheiden muss, wen es über den Haufen fährt, das sind aktuelle Bezüge. Ersteres zum Utlitarismus, letzteres zum sogenannten „Trolley-Problem“. Aktualität ist immer interessanter als zeitlose, allgemeine Themen.

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