Wir alle treffen Entscheidungen, wir alle haben Gründe dafür. Die uns selbst aber manchmal nicht bewusst sind. Viele Leute neigen dazu, Entscheidungen nicht zu verantworten, sondern auf die Umstände zu schieben.

  • „Da konnten wir nichts machen“.
  • „Da blieb uns nichts anderes übrig“.
  • „Das ist alternativlos“. (Mit schönen Grüßen an unsere Altkanzlerin an der Stelle.)

Das ist ein Reflex, um keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Und wirkt daher immer etwas schwach. Wenn Du das nicht entschieden hast, sondern sozusagen Dich zum Spielball der Umstände machst. Souveräner, dynamischer wirkt es immer zu sagen: Ich habe das so entschieden. Und zwar weil Punkt Punkt Punkt. Eine Begründung ist wichtig. Sollte aber nicht in eine Rechtfertigung ausarten. Die Grenzen sind manchmal fließend. Keine Frage.

Es ist besser, unvollkommene Entscheidungen durchzuführen, als beständig nach vollkommenen Entscheidungen zu suchen, die es niemals geben wird.

Charles de Gaulle

Mach Dir dabei bewusst:

Entscheider werden dafür bezahlt, Entscheidungen zu treffen. Nicht zwingend die richtige. Sondern eben überhaupt welche. Denn selbst eine schlechte Entscheidung ist oft besser als keine. Weil sich damit weiterarbeiten lässt. Simples Beispiel: Wen stellen wir ein? Drei Bewerber:innen. Nimmt man nicht die am besten geeignete Person, sondern von den drei, die grundsätzlich in Frage kommen und alle drei den Job soweit können, die schlechteste, ist das immer noch besser als wenn die Stelle immer noch unbesetzt wäre. Oft gibt es ja auch nicht die EINE perfekte und absolut richtige Entscheidung und alle anderen sind falsch. Außer Du entscheidest Dich für Pizza. Damit liegst Du immer richtig. Ansonsten liegen oftmals mehrere Optionen im Bereich von okay. Welche wirklich die beste war, lässt sich, da man ja nur eine einzige umsetzen kann, hinterher gar nicht mehr überprüfen. Manchmal kommt es sogar eher auf die Geschwindigkeit an, mit der Entscheidungen getroffen UND kommuniziert werden. Damit eben damit weitergearbeitet werden kann. Und keine Unsicherheit entsteht. Weil die ist selten produktiv.

Dazu gibt es auch die Theorie der Bounded Rationality, also der begrenzten Rationalität von Entscheidungen. Weil wir niemals alle, also wirklich alle Optionen in Betracht ziehen. Weil wir nie alle, also wirklich alle Konsequenzen jeder einzelnen Option komplett durchdenken. Wird für einen Raketenstart mit Computersimulationen gemacht. Und trotzdem explodiert immer mal wieder so ein Teil.

Nachträgliche Rationalisierung von Entscheidungen

Wir treffen Entscheidungen manchmal auch gar nicht rational. Mal ist uns das bewusst. Und mal nicht. Vielleicht erinnert Dich die Stimme der Bewerberin an Deine Exfreundin. Und sie ist Dir deshalb unsympathisch. Und ohne dass Du bewusst die Assoziation herstellst „Ah, die klingt wie meine Ex“. Sondern das passiert unbewusst. Und die Antipathie ist da und wirkt sich irgendwie auf Deine Bewertung der Kompetenzen dieser Person aus. Zack, abgelehnt. Im Nachhinein wirst Du natürlich gute, rationale Gründe für Deine Ablehnung finden. Irgendwas findet sich immer. Dass jene Note nicht ausreicht, und wieso das Auslandssemester so früh im Studium, ach, wir neigen allgemein dazu uns die Dinge dann schon so hinzudrehen, dass auch der größte Blödsinn total überzeugend klingt. Oder eben genau anders herum. In der Kommunikation nach außen ist das auch tatsächlich wichtig. Weil selbst wenn Du Dir bewusst bist, dass Du eine Entscheidung aus dem Bauch heraus getroffen hast, ist das nicht so optimal in der Verkündung. „Mein linkes Ohrläppchen hat so komisch gezuckt. Und immer, wenn es das tut, dann sagt mir das, dass ich auf volles Risiko gehen sollte. Und deshalb expandieren wir jetzt nach China.“ Ja, könnte eventuell nicht so gut ankommen. Als in Ägypten mal ein Aufstand war, war dort der Veranstalter irgendeiner Misswahl mit den ganzen Kandidatinnen vor Ort und hat später ernsthaft gesagt, er habe seine Hellseherin angerufen, um abzuklären, ob für die Frauen eine Gefahr bestehen würde oder nicht. Und auf Basis dieser „Expertise“ sind sie dann vor Ort geblieben. Schön, oder? Solltest Du definitiv besser machen. Und es vor allem besser kommunizieren!

Wie kommunizierst Du jetzt eine Entscheidung, egal wie sie zustande gekommen ist?

Erster Schritt: Klare Kante. Verkünde die Entscheidung zuerst ohne lang rumzueiern oder ewige Hinführung. Kennst Du vielleicht von Entscheidungen vor Gericht. Der Richter oder die Richterin verkünden zunächst das Urteil. Und bei Verurteilung auch die Strafe. Und dann kommt die Begründung. Und das hat sich einfach über viele Jahrtausende Rechtsprechung bewährt.

Klare Kommunikation mit Begründung. Aber ohne Rechtfertigung. Wie kamst Du zu dieser Entscheidung? Werde dabei aber auch nicht zu konkret. Und versprich nichts, was Du später nicht halten kannst. Siehe Helmut Kohl und seine blühenden Landschaften, die ihm dann zum Verhängnis wurden.

Zweiter Schritt: Durchaus mal die Stimmung beim Gegenüber, egal ob eine Person oder ganz viele, wahrnehmen. Und situativ reagieren. Bei negativer Reaktion auch dafür Verständnis zeigen. Also, das wissen wir alle aus dem Alltag, allen rechtmachen kannst Du es eh nicht. Irgendjemand wird Deine Entscheidung immer falsch finden. Darauf solltest Du vorbereitet sein und dann nicht abwehrend, rechtfertigend oder gar beleidigt reagieren.

Dritter Schritt: Diesen Emotionen und auch solchen Vorbehalten, die Du erwartest, Raum geben, sie verbalisieren. „Ja, ich weiß, viele von Ihnen haben darauf gehofft, dass wir an diesem Standort in gewohntem Umfang weitermachen. Und natürlich ist das für Sie jetzt erstmal enttäuschend.“ Ganz wichtig, eine Entscheidung, die z.B. für einen Teil der Belegschaft definitiv negative Auswirkungen hat, nicht als superduper, Friede, Freude, Auenland verkaufen. Das erzeugt Abneigung.

Vierter Schritt: Vorteile für das Gesamtsystem aufzeigen. Probleme benennen, die dadurch gelöst werden. Oder vermieden werden. Die sonst entstehen würden. Siehe damals Einführung des Euros. Da wurde auch erklärt, dass eine gemeinsame europäische Währung viel sinnvoller ist im globalen Handel und der Warenverkehr innerhalb Europas viel reibungsloser dadurch ist. Und das wurde ja noch im 20. Jahrhundert beschlossen. Also da war die Globalisierung ja erst ganz am Anfang. Und das heutige Volumen an Warenlieferungen, Wirtschaftskrisen und so weiter gar nicht absehbar. Und trotzdem war der Euro damals schon geplant für genau solche Situationen. Der Euro ist ein gutes Beispiel an der Stelle, weil auch die Einführung des Euros keine Begeisterungsstürme ausgelöst hat. Sondern durchaus mit Skepsis und Vorbehalten konfrontiert wurde. Und zeigt, wie wichtig es sein kann, Entscheidungen konsequent zu vertreten, immer wieder die Argumente dafür zu wiederholen, das hat damals der Finanzminister Theo Weigl immer und immer wieder gemacht, und auch das ist wichtig. Nicht mal so, mal so erzählen. Sondern sehr konsequent bleiben. Und das ist auch der letzte Punkt, nämlich

Fünfter Schritt: Zeig ja keine Unsicherheit! Denn dann kommen Diskussionen auf und man versucht Dich umzustimmen. Egal ob Kinder, die „nur noch 5 Minuten“ irgendwo bleiben oder irgendwas machen wollen. Oder eben im Business und der Politik. Du musst von der Wortwahl über das Nonverbale bis hin zu Deinem Verhalten über einen je nach Entscheidung längeren Zeitraum, also bei einer Entscheidung wie der Einführung des Euros über Jahre, bei anderen, kurzfristiger umsetzbaren Entscheidungen, wie zum Beispiel der Beförderung einer Person, vielleicht nur ein paar Tage oder Wochen. Bis das halt durch ist und dann ist es so. Wenn Fakten geschaffen wurden, gehen meistens, nicht immer, aber meistens, die Menschen dazu über, mit der getroffenen Entscheidung, egal wie sie sie finden, zu arbeiten.

Hi. Mein Name ist Oliver Walter. Ich bin Rhetoriktrainer & Coach. Hier blogge ich über mein Lieblingsthema: Rhetorik & Kommunikation im weitesten Sinn. Wenn ich Dir mit meiner Fachmeinung oder meinem Knowhow weiterhelfen kann, lass es mich gerne wissen. 

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